Der Ablauf einer Fotoproduktion Teil 1 Planung

Als professionelle Fotoproduktion kann man getrost alle diejenigen Projekte bezeichnen, aus denen gezielt Bildmaterial entsteht, das an Kunden weiter verkauft wird. Dabei kann es sich um eine Produktion im Kundenauftrag handeln oder um eine Eigenproduktion. Bei Stockfotografen ist es eher so, dass sie für das eigene Portfolio fotografieren. Umso wichtiger ist daher der reibungslose Ablauf einer solchen Fotoproduktion, den ich am Beispiel einer meiner ersten Stockfotoproduktionen erkläre, die ich zum Thema ‚Apotheke‘ umgesetzt habe.

Eine Apothekenhelferin steht am Kassenpult in der Apotheke

Eine Fotoproduktion läßt sich in vier Schritte unterteilen:

  1. Vorbereitung
  2. Umsetzung
  3. Verarbeitung
  4. Vermarktung

Diesen Beitrag möchte ich allein der Vorbereitung widmen, da sie sehr umfangreich ist und viele kleine, einzelne Schritte beinhaltet.

Der eigentlichen Vorbereitung geht meistens noch eine weitere Phase voran. Diese kann man auch als Null-Phase, Inspiration, Geistesblitz oder Idee bezeichnen. Hat man keine eigenen Ideen, kann man sich als Anfänger auch prima an den Fotos seiner Vorbilder oder Mitbewerber orientieren. Oft findet man Ansätze, die man gestalterisch oder technisch besser machen kann. Und schon ist man mitten in den Vorbereitungen…

Eine Apothekerin berät eine Kundin zu einem medizinischen Präparat

  • Vorbereitung
    Um eine Fotostrecke in einer Apotheke möglichst authentisch wirken zu lassen, braucht es zuerst einmal eine geeignete Kulisse, eine Location. Eine Apothekeneinrichtung im Studio nachzubauen würde definitiv den Rahmen sprengen. Also musste ich zuerst eine geeignete Apotheke mit zeitgemäßer und möglichst hell ausgeleuchteter Einrichtung finden. Ich hatte das Glück, dass sich eine solche Location in der Umgebung meines Studios befand und die Betreiberin so freundlich war, mir ihre Räumlichkeiten für die Umsetzung meiner Produktion für zwei Stunden vormittags zur Verfügung stellte. Als Gegenleistung versprach ich Mitarbeiterportraits und Außenaufnahmen für ihre Homepage. Ein fairer Deal.

    • Terminvereinbarung
      Als nächstes muß ein Termin her. Am besten so früh wie möglich. Mir reichen etwa zwei Wochen, um die nachfolgenden Schritte abzuarbeiten und am Tag X perfekt vorbereitet an den Start zu gehen. Der Termin sollte verbindlich sein und es empfiehlt sich bei Vereinbarungen mit Geschäftsleuten, nach einigen Tagen noch einmal nachzuhaken, ob sich an dem Termin nicht doch etwas geändert hat. Hat man die erneute Zusage, kann man eigentlich davon ausgehen, dass der Termin steht.
    • Modelle
      Ich habe mir über die Jahre einen eigenen Model-Katalog angelegt. So finde ich meist relativ schnell ein(ige) geeignete Kandidaten. Modelle, mit denen ich schon zusammen gearbeitet habe oder die ich von einem meiner Castings kenne, sind mir natürlich am liebsten. Aber man muss auch auf die Abwechslung im Portfolio achten. Da hat sicher jeder andere Anforderungen und Erfahrungswerte.
      Wichtig ist natürlich vorallem, dass die Modelle sich mit der Rolle identifizieren können und am Tage der Umsetzung Zeit haben. Auch das Honorar sollte man dem Modell schon vor dem Shooting nennen können.
    • Requisiten
      In einer Apotheke erwartet man, dass das Personal weiße Kittel trägt. In moderneren Unternehmen sind auch Kombinationen aus Hosen und Poloshirts oft gesehen. Wichtig: auch an geeignetes Schuhwerk der Modelle denken. Kleine Details wie einheitliche Kugelschreiber oder vereinfachte Verpackungen werden oft unterschätzt. Je akribischer man an die Sache herangeht, desto geringer fallen die Retuschearbeiten anschliessend in der Nachbearbeitung aus. Ich achte hier auch besonders darauf, dass die Kleidung frei von Markennamen, Logos oder geschützten Mustern ist.
    • Beteiligte
      Bei fast jeder Fotoproduktion habe ich eine Visagistin/Stylistin am Set dabei. Sie hilft auch gern mal mit, wenn eine dritte Hand fehlt. Durch ihre Anwesenheit trägt sie außerdem zur lockeren Stimmung bei und wenn die Modelle entspannt bei der Sache sind, beeinflußt das die Bildergebnisse positiv. Bei größeren Produktionen engagiere ich gern noch einen Assistenten.
    • Skript & Ablaufplan
      Ich stelle eine Art Drehbuch zusammen, in dem ich alle Szenen festhalte. Sei es am Kassentresen, bei der Produktberatung, am Warenregal oder im Labor. Alle möglichen Situationen beschreibe ich wörtlich.
      Falls nötig, mache ich auch mal eine Skizze oder schreibe mir auf, aus welcher Perspektive ich die Aufnahme machen will und wie ich mir die Lichtsetzung dabei vorstelle.
      Auch ein Harmonogramm bzw. Ablaufplan kann hilfreich sein.
      Bei dem Apothekenshooting sah mein Ablaufplan in etwa so aus:
      – 8:00 Uhr, Eintreffen Modelle und Visagistin im Studio.
      – 8:00-9:00 Uhr, Schminken, parallel Briefing
      – 9:00-9:30 Uhr, Fahrt zur Location
      – 9:30-10:00 Uhr, Modelle Umziehen, Fotograf baut erstes Set auf
      – 10:00 Uhr, Set 1
      – 10:30 Uhr, Set 2
      – 11:00 Uhr, Set 3
      – 11:00 Uhr Visagistin stylt die Mitarbeiter
      – 11:30 Uhr, Modelle erhalten Honorar und verabschieden sich
      Anschließend Mitarbeiterportraits der Apotheke
    • Technik
      Man erspart sich viel Arbeit, wenn man seine Fototechnik regelmäßig auf Funktionalität überprüft. Spätestens drei Tage vor dem Shooting checke ich meine Technik deshalb durch. Falls etwas fehlt, habe ich noch genug Zeit, die Ersatzteile bis zur Fotoproduktion zu beschaffen.
      Parallel zum Skript mache ich mir deshalb Notizen, welche Lichtsituationen ich am Set mit welchen Mitteln und wie umsetzen möchte.

Dies sind die für mich wesentlichen Punkte zur Vorbereitung meiner Fotoproduktionen. Sicher gibt es im Detail Unterschiede. Wie setzt Ihr Eure Produktionen um?

Hat Euch dieser Artikel gefallen? Habt Ihr Anmerkungen?

Weiter geht es hier mit dem 2. Teil, der Umsetzung

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