Scannerfotografie ohne Fotoapparat

Flat-Lays sind angesagt. Nicht nur in der Modefotografie oder zur Präsentation in Onlineshops bedient man sich in letzter Zeit so genannter Flat-Lays (engl. für flach Mein Schreibtisch mit Scanner, Schneidbrett, Gurken und Monitorliegendes), um allerlei Artikel zu präsentieren. Dabei wird die Ware meistens auf den Boden gelegt und in der Draufsicht abfotografiert. Bei der Modefotografie gibt es noch eine Abwandlung, so genannte Hollowmans. Das will ich demnächst auch mal ausprobieren. Aber zurück den flach liegenden Waren. Vor kurzem stieß ich bei meiner Inspirationsquelle Pinterest auf Aufnahmen mit vorwiegend schwarzem Hintergrund, die so aussahen, als seien sie von unten durch eine Glasscheibe hindurch fotografiert worden. Vorwiegend waren es Arrangements aus Obst, Gemüse und Blumen. Wie ich dann schnell feststellte, handelte es sich um Scannerfotografie, also Bilder, die mit dem Scanner aufgenommen wurden. Tolle Idee, dachte ich mir. Das wollte ich auch mal ausprobieren.

Schon vor einiger Zeit hatte ich Fototapeten in einem Restaurant gesehen, auf denen überdimensionales Gemüse in Scheiben zu sehen war. Solche Aufnahmen macht man ja idealerweise auf einem TableTop aus Acrylglas oder einem Leuchttisch, bei denen das Objekt zusätzlich auch von unten ausgeleuchtet wird, um schattenfrei fotografieren zu können. Die hauchdünnen Gemüsescheiben sahen fast ein wenig so aus wie Röntgenaufnahmen.

Soviel vorab an Inspiration. Vorgestern musste ich mir einen neuen Drucker kaufen, weil mein Kombigerät (Drucken, Scannen, Kopieren) plötzlich Macken im Druck hatte. Der Scanner funktionierte aber noch einwandfrei. Mit 600 dpi bietet er wohl genug Auflösung für die Scannerfotografie.

Also hielt ich morgens auf dem Weg ins Studio noch beim Obst- und Gemüsehändler und schaute nach Zitrusfrüchten. Ich nahm mir Zitronen, Orangen, Limetten, Grapefruit und Kiwi mit. Eine Salatgurke kam mir auch noch in die Quere. Requisiten für drei Euro. Noch dazu essbare :-)

Die Gurkenscheiben waren unkompliziert. Aber bei den Limetten hatte ich arge Schwierigkeiten, die Scheiben gleichmäßig und dazu noch rund abzuschneiden. Die waren wohl nicht mehr frisch genug. Ich habe sie dann trotzdem gescannt, nachdem ich sie ein Weilchen mit Toilettenpapier abgetuft hatte, damit sie auf der Glasscheibe des Scanners nicht in ihrem Saft schwammen. Aber wenn man dann den Deckel zu macht, quetscht man doch wieder Saft raus… Besser wäre wohl doch, die Obstscheiben auf einer Lichtwanne zu fotografieren oder einem TableTop mit transluzenter Oberfläche.

Man sieht, dass die Limetten nicht frisch und schon zu zäh waren, um runde Scheiben abzuschneiden

Ob das Messer zu stumpf war oder die Limetten zu hart?

Die Scans waren sehr ernüchternd. Ich hatte die Aufnahmen mit 600 dpi und im Format TIF gemacht. Die Zitronenscheiben wurden sehr detailgetreu abgelichtet, aber leider auch die Innenseite des Scannerdeckels. Zusätzlich kam es an den Kanten der Zitronenscheiben zur chromatischen Abberationen und zu Artefakten aus der Scanbewegung. Alles andere als zufriedenstellend.

Zitronenscheiben mit Scanner fotografiert

Zitonenscheiben mit dem Scanner fotografiert

Als ersten Schritt der Nachbearbeitung habe ich wie immer Lightroom gewählt, auch um die Dateien gleich mit Schlagwörtern zu versehen. In Lightroom konnte ich aus den TIFs viele Farbinformationen herauskitzeln. Sich überzeichnendes Weiss reduzierte ich, nachdem ich manuell nachbelichtet hatte. Das Ergebnis sah schon recht zufriedenstellend aus.

Scannerfotografie nachbearbeitet in Lightroom

Die chromatischen Abberationen habe ich aber leider nicht in den Griff bekommen und auch die Artefakte habens auch durch Entrauschen nicht wirklich verbessert, da ich auch noch nachschärfen musste. Also ging es gleich in die nächste Instanz: Photoshop.

Hier habe ich dann mit einer kantenverbesserten Maske die Zitronenscheiben freigestellt. Anschließend legte ich eine Ebenenkopie (Strg+J) an und verrechnete diese im Modus Farbig Abwedeln, wobei ich die Intensität der Füllung noch sehr reduzierte. Um die Plastizität zu erhöhen, habe ich zusätzlich einen Hochpassfilter angewandt. Hier ist das Endergebnis:

Retuschierter Scan von Zitronenscheiben

Mein Fazit: wenn man keinen Tabletop mit transluzenter Oberfläche besitzt und Lust hat, etwas zu experimentieren und zu improvisieren, dann ist die Scannerfotografie eine amüsante Abwechslung. Professionell ist das aber bei weitem nicht und mit erheblichem Zeitaufwand in der Nachbearbeitung verbunden. Für die nächsten Flatlays dieser Art habe ich mir bereits eine Milchglasplatte zugelegt.

Ach so, was ich noch sagen wollte: ihr solltet unbedingt zwischendurch die Scheibe Eures Scanners reinigen. Fruchtzucker ist ein fieses, klebriges Zeugs 😉

Die Glasscheibe des Scanners kann man nach der Scannerfotografie einfach mit Spüli und Wasser reinigen

Bei Shutterstock wurden die Bilder inzwischen angenommen :-)

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