Alleinstellungsmerkmal auf dem Microstockmarkt entwickeln?

Mann schaut mit dem rechten Auge in ein Papprohr das er mit seiner rechten Hand festhält

Der Microstockmarkt ist nur einer von vielen Märkten, die sich stetig wandeln. Veränderung ist der progressive Motor der Wirtschaft. Davor können wir alle nicht weglaufen. Allerdings verändert sich der Markt in letzter Zeit in einer sehr rasanten Art und Weise. Und vorallem diejenigen, die allein von der Medienproduktion leben, trifft es derzeit hart. Nicht erst seit COVID-19. In diesem Beitrag möchte ich mal gedanklich etwas abschweifen und versuchen zu erörtern, wie sich der Microstockmarkt in absehbarer Zeit verändern wird.

Ich beobachte schon seit längerer Zeit ein Phänomen der Onlinebusinesskultur, das viele wirtschaftlich ausgebildete Kaufleute in den Wahnsinn treibt. Es ist die komplett andere, meines Erachtens falsche Denkweise vieler Händler/Anbieter. Statt sich den Markt der Nachfrager einfach zu teilen und so für stabile Preise zu sorgen, geht es vielen – vermutlich unzureichend wirtschaftlich denkenden – darum, die Konkurrenz zu unterbieten. Koste es, was es wolle. Zur Not wird auch die eigene Pleite in Kauf genommen. So gehen immer mehr Händler vor die Hunde. Doch es kommen immer wieder neue Goldgräber, die ihre Chance nutzen wollen. Entsprechend langwierig ist dieser Kampf. Sieger werden nur diejenigen sein, die einen „langen Atem“ haben und solche, die ABSOLUTE UNIQUE sind. Im Onlinehandel kann man bei gleichen Produkten ja erstmal nicht viel machen. Aber mit Mehrwert. Das kann die Videoaufbauanleitung für das Möbel sein oder prima Rezepte, die man mit dem neuen Küchengerät umsetzen kann. Je mehr man seinem Kunden entgegenkommt, ihn bzw. sie wertschätzt, desto wahrscheinlicher ist auch die Abschlussquote.

Was bedeutet das für den Microstockmarkt?

Sich ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Microstockmarkt zu erarbeiten, ist ja vom Prinzip her leicht nachvollziehbar. Man braucht ja lediglich nur solche Sachen anbieten, die andere nicht haben. Oder solche, die sich zumindest in der Darstellungsform unterscheiden. Im Fachjargon spricht man hier oft auch von einer Nische, die man sich suchen muss. Bei mir sind es in letzter Zeit vor allem Fotomontagen sogenannter Rollingshots. Also Motive, die eine gewisse Dynamik zeigen. Zum Beispiel Motorradfahrer, Skifahrer, Skater usw. Ich bin sicher noch nicht so weit wie zum Beispiel Lasse Behnke, aber mit jedem Motiv entwickelt man sich ja auch weiter.

Eine Bildkomposition von mir

Die wenigsten Stockfotografen bieten ihr Bildmaterial ja exklusiv oder teilexklusiv bei einer einzigen Agentur an. Mit dem Vorteil der weitaus höheren Vergütung. Auch Macrostockagenturen bieten höhere Vergütungen. Und das dort verfügbare Bildmaterial ist in den meisten Fällen von höherer Qualität als das bei Microstock. Hier findet Alleinstellung also tagtäglich statt. Und die Klientél dieser Agenturen fragt diese Einzigartigkeit auch nach.

Noch ein Gedankensprung von mir: eine weitere Möglichkeit, sich eine gewisse Exklusivität zu konstruieren ist die, jeder Agentur tatsächlich unterschiedliche Bilder zu liefern. Somit würde es auch in den Suchmaschinen keine Duplikate geben. Und somit könnte die Wertigkeit und die Attraktivität dieser Unikate ebenfalls zunehmen.

Bei vielen Hobbyfotografen dürften sich bei der Suche nach der richtigen Nische wohl aber einige Schwierigkeiten ergeben. Denn gerade die Masse der nebenbei geschossenen Schnappschüsse macht einen erheblichen Teil der Bilder aus, die es in jeglicher Form auf dem Microstockmarkt gibt. Wer sich also nicht ernsthaft mit seinem Bildmaterial auseinandersetzt, wird auf Kurz oder Lang wahrscheinlich immer weniger auf dem Microstockmarkt verdienen können.

Einige Ideen für Nischen auf dem Microstockmarkt könnten sein:

  • Flat Lay Fashion (ca. 340.000 Bilder bei Shutterstock, 242.000 bei AdobeStock)
  • Retro computer (ca. 73.000 Fotos bei Shutterstock, 196.000 bei Adobe)
  • Studio flash (ca. 42.000 Fotos bei Shutterstock, 54.000 bei Adobe)

In unregelmäßigen Abständen stöbere ich einfach mal in der Suche der Stockseiten und notiere mir ggf. die Ergebnisse, um dort entsprechend nachzulegen. Meine Vorgehensweise zur Inspiration hab ich auch in meinem eBook Erfolgreich Fotos verkaufen und Geld verdienen mit Stockfotografie ausführlich beschrieben. Es ist eigentlich gar nicht so schwer, wenn man sich der Sache wirklich engagiert widmet.

Eine kleine unscheinbare App namens Stocked vom Entwickler Jarjarbits* ruft aus mehreren Quellen die aktuellen Suchanfragen ab und stellt sie im Stream, im 24h-Modus und im Wochenüberblick dar. Die Agenturen, die die Daten zur Verfügung stellen sind Stocksy, Shutterstock, 123RF, Crestock, Alamy und Dreamstime. Manchmal wundere ich mich doch, was gerade alles gesucht wird. Schau einfach mal im Google Playstore nach. Ob es sie auch fürs iPhone gibt, weiß ich nicht.

Auch wenn viele behaupten, mit erotischen Motiven könne man auf dem Microstockmarkt kein Geld verdienen. Das kann ich auch nach nunmehr fünf Jahren Stockfotografie nicht behaupten. Aber das muss jede/-r für sich selbst entscheiden. Unter meinen bestverkaufenden Sets bei Shutterstock liegt mein Erotik-Set auf Platz fünf. Darüber liegen bei mir die Sets Industrie, Gesundheit, Lifestyle und Bildung.

Wie denkst Du darüber? Versuchst Du ebenfalls, Dich mit einer gewissen Exklusivität am Microstockmarkt zu behaupten? Oder bietest Du vielleicht exklusiv an bei Westend, Stockfood, iStock? Ich freue mich über Deine Meinung und Stellungnahme 🙂

*: Der Entwickler Jarjarbits scheint die erwähnte App gerade aus dem Playstore genommen zu haben. Ich hoffe, dass das sich bald wieder ändert und habe bei ihm nachgefragt. Ich halte Euch auf dem Laufenden.